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Gratian, Verfasser der einflussreichsten mittelalterlichen Kirchenrechtssammlung

Die Herausgeber des jüngsten Concilia-Bandes präsentieren ihr Werk. (Wilfried Hartmann, Isolde Schröder, Gerhard Schmitz, v.l.n.r.)

8. Dezember

Beginn des Konzils von Nicaea (325) in einer Handschrift des 9. Jh. (München, Bayerische SB, Clm 14422 fol. 11r)

Wer moderne Vorstellungen von Recht und Rechtssystematik an frühmittelalterliches Kirchenrecht heranträgt, wird enttäuscht werden. Es gab nicht *ein* verbindliches Kirchenrechtsbuch, sondern viele kleinere und größere Sammlungen, die ganz unterschiedliche Zielsetzungen verfolgten.

Erst im 12. Jh. gelang es dem Bologneser Rechtsgelehrten Gratian, eine umfassende systematische Sammlung des älteren Kirchenrechts anzulegen. Das „Decretum“, wie sein Werk genannt wurde, entwickelte sich zur einflussreichsten mittelalterlichen Kirchenrechtssammlung und stellt einen Wendepunkt der Rechtsgeschichte dar. In Kooperation mit der Bayerischen Staatsbibliothek präsentieren die MGH eine Online-Ausgabe der maßgeblichen Edition von Gratians Rechtssammlung.

Vorgratianisches Kirchenrecht bei den MGH

Die Erschließung des vorgratianischen Kirchenrechts gehört seit den Anfängen zu einer der zentralen Aufgaben der MGH. Verwiesen sei zum einen auf die einschlägigen Editionen im Bereich der Leges.

Auch laufende Editionsvorhaben hinterlassen bereits ihre Spuren im Bereich „Datenbanken“ (Pseudoisidor [mit Zechiel-Eckes Beobachtungen zu Handschriften aus Corbie, der Wirkungsstätte Pseudoisidors], Benedictus Levita, Polycarp).


Clavis Canonum
Clavis Canonum

Eine breite Schneise durch das Dickicht der vorgratianischen Rechtssammlungen schlägt die „Clavis Canonum“-Datenbank von Linda Fowler-Magerl, die Rubriken, Incipts, Explicits sowie Quellenangaben zu der überwältigen Mehrzahl der Rechtstexte durchsuchbar zur Verfügung stellt.


Darstellung eines Konzils im Utrecht Psalter (Utrecht, UB, Ms. 32, fol. 90v)