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10. Dezember

Psalmen in BNF lat. 190 fol. 47r

Die tironischen Noten, die sich vor allem im (karolingischen) Frühmittelalter erstaunlicher Verbreitung erfreuten, geben noch immer Rätsel auf: Waren sie lediglich intellektuelle Spielerei/Angeberei? Fungierten sie als eine Art Geheimschrift? Oder erfüllten sie tatsächlich den gleichen Zweck wie die moderne Stenographie und dienten somit als schnelle und platzsparende Kurzschrift für Diktat und Annotation?

Insbesondere durch die Arbeiten von Martin Hellmann (MGH Studien und Texte 27, 2000) sind wir dem Verständnis der tironischen Noten erheblich näher gekommen. Hellmanns Hypertext-Lexikon der tironischen Noten bietet erstmals einen systematischen Zugriff, um ausgehend von der Form einer Note auf deren Inhalt zu schließen.

Seit Kurzem gibt es auf den Seiten der MGH auch eine Rückwärtssuche in Hellmanns Lexikon, sodass man ausgehend von einem lateinischen Wort auf die Notenform schließen kann. Dies ist bei der Entzifferung hilfreich, wenn man aufgrund des Kontextes bereits ahnt, welches Wort als nächstes kommen müsste, man aber über die Form allein die passende Note nicht auffinden konnte.

Auch auf den Seiten der MGH: Karl Eberhard Henke: Tironische Noten (Aufzeichnungen zu einer Lehrveranstaltung abgehalten von Bernahrd Bischoff).

Übrigens wird im Irischen auch heute noch das tironische Symbol für "et" ("und") anstelle der sonst verbreiteten ET-Ligatur (&) verwendet.