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Bibliotheksraum im Jahr 2005
Klosteranlage im Jahr 2005
Neue Bildpost 2006, 6. Juli

Redemptoristen Hennef-Geistingen

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Der Orden der Redemptoristen (CSSR) wurde 1732 durch Alfons von Liguori (1696-1787) gegründet. 1859 wurde die Niederdeutsche (heute: Kölner) Provinz gegründet. Zur Ausbildung ihres Priesternachwuchses eröffnete der Orden 1861 in Maria Hamicolt bei Dülmen/Westf. ein Seminar mit Hochschule, das nach einer durch den Kulturkampf bedingten Schließung (1872) im Jahr 1898 in Trier als Seminar und Hochschule wiedereröffnet wurde. 1902 zog die Hochschule in einen Neubau in der Gemeinde Geistingen im Siegtal (seit 1935 Ortsteil von Hennef) um. Hauptsächlich der ordenseigenen Priesterausbildung der Redemptoristen gewidmet, mußte dieser Lehrbetrieb mit der Schließung der seit 1982 auch staatlich anerkannten philosophisch/theologischen Hochschule im Jahre 1996 eingestellt werden. Bis Januar 2006 diente das Haus als Bildungs- und Exerzitienhaus und als Konferenzzentrum des Ordens. Anschließend wurde es aufgrund des Nachwuchsmangels verkauft und weltlicher Nutzung zugeführt.

Bibliothek

Die Bibliothek befand sich im West-Ost-Flügel des Klosters und galt als Schmuckstück des Hauses. Die Halle ist 27 m lang, 10 m breit und 12 m hoch. Die Wände waren ringsherum mit Galerien zur Aufnahme der Bücher versehen. Die Galerien bestanden aus Beton und Eisen und waren mit Keramikplatten belegt. Nur die Regale, ein Werk der Klosterschreinerei, waren aus Holz. Die Stellfläche der Bibliothek bot Platz für ca. 160.000 Bände, weitere 20.000 Bände - darunter insbesondere der Altbestand vor 1850 - waren magaziniert. Im Bestand befanden sich ca. 50 Handschriften und 43 Wiegendrucke, von denen ein Teil in Schaukästen, die in der Mitte des Raums stehen, zur Ansicht ausgestellt war sowie ein hoher Anteil von Drucken des 16. und 17. Jahrhunderts. Diese Anlage wird im Laufe des Jahres 2006 zu Eigentumswohnungen umgebaut, d.h. als Bibliotheksraum zerstört.

Der Verkauf

Nach Recherchen von Klaus Graf gingen die Handschriften und Inkunabeln an das Redemptoristen-Kloster Heiligenstadt, 12.000 neuere Titel (ab 1850) an die ordenseigene Academia Alfonsiana in Rom. Der Löwenanteil aber wurde von Dezember 2005 an über das Internet-Auktionshaus Ebay verkauft.
Für die Bibliothek der Monumenta Germaniae Historica konnten hierdurch fast 200 Bände mit Bezug zum Mittelalter erworben werden. Es handelt sich um patristische und aszetische Editionen und Forschungsliteratur des 19. und 20. Jahrhunderts, aber auch um Drucke des 16.-18. Jahrhunderts mit Werken spätmittelalterlicher Autoren, die in keinen modernen Ausgaben vorliegen. Der älteste Titel ist die von Erasmus von Rotterdam veranstaltete Cyprian-Ausgabe (Basel : Froben 1521 = VD-16 C 6508). Diese Bücher bereichern und erweitern nunmehr eine zeitgleich mit der alten Redemptoristenbibliothek herangewachsene Forschungsbibliothek um wichtige Quellen zur spätmittelalterlichen Geistesgeschichte, die erst durch die jüngere Forschung in das Blickfeld des Historikers getreten ist und darum in der Sammlung der MGH-Bibliothek nur schwach vertreten war.

Quelle: http://www.kloster-geistingen.de, 27.1.2006