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Die digitalen Monumenta Germaniae Historica (dMGH)

Im Rahmen des Zusatzprojekts zu den dMGH zur Auswertung der Register der MGH-Editionen (iMGH) soll ein Framework geschaffen werden, das eine Verknüpfung von Ortsangaben aus den MGH-Bänden mit Geokoordinaten ermöglicht. Die so gewonnenen Daten können dann über eine Datenbankschnittstelle abgefragt werden und in eigene Anwendungen integriert werden.

Das Projekt befindet sich noch im Anfangsstadium. Um die Möglichkeiten der Verknüpfung von frei zugänglichem Kartenmaterial mit den dMGH zu veranschaulichen, wurden exemplarisch für die bekannten echten Urkunden der Merowingerzeit die Empfänger mit Geokoordinaten versehen und mit den dMGH verlinkt. Die Daten sind in einer XML-Datei hinterlegt und können mit Google-Maps betrachtet werden.

Screenshot Google Maps

Die Geoinformationen können allerdings auch mit Zeitangaben in Beziehung gesetzt werden und interaktiv präsentiert werden. Jeder Urkunde lässt sich eine präzise Datierung oder zumindest eine Zeitspanne zuordnen, sodass die Diplome auch als Einträge auf einem Zeitstrahl präsentiert werden können. Dieser kann wiederum mit der Kartenanzeige gekoppelt werden.

Screenshot Zeitleiste gekoppelt mit Google Maps

Zur Erläuterung: Auf der Zeitleiste oben steht jeder grüne Balken für einen geographisch zu lokalisierenden Urkundenempfänger. Die Genauigkeit der Zeitangaben ist ein Jahr. Ein Eintrag umfasst jeweils die längste Zeitspanne, für die eine Urkundenüberlieferung für den betreffenden Empfänger bekannt ist. Bei mehreren Urkunden wird also die Länge des Balkens durch die früheste und die späteste überlieferte echte Urkunde bestimmt. Sofern die Datierung nur unscharf angegeben werden kann, wird die Länge des Eintrags eben durch die untere und obere Grenze der unscharfen Datierung bestimmt.

Beispiel: Für das Bistum Rouen ist genau eine Urkunde (D Mer. 88) überliefert. Sie lässt sich nur unscharf auf die Jahre zwischen 657 und 679 datieren, was sich in der Länge des grünen Balkens niederschlägt. Ein weiteres Beispiel: Für das Kloster Stablo-Malmedy sind insgesamt vier echte Urkunden überliefert. Die älteste (D Mer. 81) kann auf frühestens 643 datiert werden und die jüngste (D Mer. 139) stammt von 693. Der Balken umfasst folglich die Jahre 643 bis 693.

Im Gegensatz zu der ersten, statischen Karte, auf der immer sämtliche Urkundenempfänger angezeigt werden, werden in der zweiten Demo-Anwendung immer nur diejenigen Einträge gezeigt, die momentan auch auf dem Zeitstrahl zu sehen sind. Es ist möglich, mit der Maus die Zeitleiste zu verschieben. Die Karte passt sich automatisch an.

Anhand einer derartigen Darstellung kann hier beispielsweise die regionale Verteilung der Urkundenüberlieferung in Abhänigkeit von der Zeit veranschaulicht werden. Aus dem Mangel an Überlieferungen von echten Merowingerdiplomen südlich der Loire konnte der Herausgeber der Urkunden, Theo Kölzer, Rückschlüsse auf die unterschiedlichen Grade des Übergangs der spätrömischen Verwaltung hin zu einer mittelalterlichen Herrschaftspraxis ziehen. [1] Vergleichbare Karten haben die Bearbeiter der Merowingerdiplome bereits in gedruckter Form publiziert. [2]

Dieser Prototyp ist freilich noch ausbaufähig. So ist es natürlich wünschenswert, dass die Größe des Ausschnitts auf der Zeitleiste durch den Nutzer selbst festgelegt werden kann. Außerdem sollte natürlich langfristig keine statische XML-Datei die Grundlage der Darstellung bilden, sondern eine Datenbank, in der Geokoordinaten mit mittelalterlichen Ortsnamen verknüpft sind. Das Rückgrat einer solchen Datenbank werden die Ortsregister der MGH-Editionen darstellen. Durch das oben erwähnte iMGH-Projekt wird eine solche Datenbank zur Verfügung gestellt werden und die Erfassung von zugehörigen Geokoordinaten durch die Nutzer ermöglicht werden.


[1] T. Kölzer, Die Edition der merowingischen Königsurkunden. Voraussetzungen und Folgen, in: Vom Nutzen des Edierens. Akten des internationalen Kongresses zum 150-jährigen Bestehen des Instituts für Österreichische Ge-schichtsforschung. Wien, 3.–5. Juni 2004, hg. von B. Merta u. a. (MIÖG Ergänzungsband 47, 2005) S. 285–296, hier S. 292 f.; T. Kölzer, Einleitung, in: DD Mer. 1 S. XIII f..

[2] C. Brühl, Das merowingische Königtum im Spiegel seiner Urkunden, in: La Neustrie. Les pays au nord de la Loire de 650 à 850. Colloque historique international 1, hg. von H. Atsma (Beihefte der Francia 16, 1, 1989) S. 523–533, die Karten auf S. 529 u. 531.