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„Es ist keine gute Arbeitseinteilung, nach zwei Jahren Forschen das erste Mal den Bleistift zu spitzen und mit dem Schreiben zu beginnen“
Gedenkfeier für Rudolf Schieffer am 5. März 2019 in der Kaulbach-Villa (Historisches Kolleg)

Mit den persönlichen Erinnerungen der MGH-Präsidentin
erschien ein leises Lächeln auf manchen Gesichtern.©MGH

Prof. Dr. Gerrit Walther begrüßte die zahlreich angereisten Gäste.©MGH

Prof. Dr. Claudia Märtl skizzierte die beeindruckende
wissenschaftliche Lebensleistung Rudolf Schieffers.©MGH

Angeregte Gespräche im Gartensaal der Kaulbach-Villa.©MGH

„Rudolf Schieffer, 1947 als Sohn des Mediävisten Theodor Schieffer geboren, hat sich ungewöhnlich jung auf dem Gebiete der mittelalterlichen Geschichtsforschung einen Namen gemacht“, zitierte Prof. Dr. Gerrit Walther, Präsident der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, in seiner Einführung den Wahlvorschlag Horst Fuhrmanns, mit dem dieser den 47-jährigen Schieffer der Historischen Kommission als Mitglied vorgeschlagen hatte.

„Solch ein Lob aus dem Munde eines großen Gelehrten sagt viel aus über den Wissenschaftler Rudolf Schieffer“ betonte Walther. Verwandte, Schülerinnen und Schüler, Kollegen und ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren teilweise weit angereist, um im Bibliothekssaal der Kaulbach-Villa des großen Mittelalterhistorikers zu gedenken.

Prof. Dr. Martina Hartmann, Präsidentin der MGH, erinnerte in ihrem Vortrag auch an den strengen Universitätslehrer, der nichts desto trotz mit seinen Studierenden am Ende eines Semesters gerne in ein Bonner Traditionswirtshaus ging und die erste Runde ausgab, um „den Staub des Semesters aus den Kehlen zu spülen“. Als Präsident der MGH setzte er in der 18-jährigen Amtszeit durch seine eigene Arbeitsleistung hohe Maßstäbe. So war er der bei weitem produktivste Rezensent in der Zeitschrift der MGH, dem „Deutschen Archiv für Erforschung des Mittelalters“. Hartmann schilderte mit tiefem Bedauern, dass Schieffer die Autorenexemplare seines letzten Werks, der zweiten Lieferung der Edition der Briefe des Erzbischofs Hinkmar von Reims, im September 2018 nicht mehr verschicken konnte, war er doch wenige Tage vor der Auslieferung verstorben. Diese Briefedition und damit eines der langjährigen und komplexen Projekte der MGH, fertigzustellen, war Rudolf Schieffer nicht vergönnt.

Prof. Dr. Claudia Märtl, die Nachfolgerin Schieffers im Präsidentenamt, ging in ihrem Vortrag näher auf die wissenschaftlichen Leistungen des Verstorbenen ein. Mit einem Augenzwinkern beschrieb sie den „Schieffer’schen Festtagskalender“, der aus jährlich wiederkehrenden Tagungen und Gremiensitzungen bestand. Schieffers zahlreiche Mitgliedschaften, wie in der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste, der Zentraldirektion der Monumenta Germaniae Historica, der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften oder der Görres-Gesellschaft zeugten von seinem hohen Engagement für die historische Forschung. Die Tagungen des Konstanzer Arbeitskreises für mittelalterliche Geschichte waren für den Gelehrten eine Konstante in seinem Jahreskalender. Dort präsentierte er gerne seine Forschungsergebnisse und tauschte sich über Entwicklungen in der Mediävistik aus.

Begleitend zu den Vorträgen wurden Fotos in chronologischer Abfolge von den 70er Jahren bis 2017 an die Wand geworfen. Die wachgerufenen Erinnerungen an den Verstorbenen konnten von den Gästen im Anschluss bei einem Glas Wein vertieft werden.

07.03.2019 11:08