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Veranstaltungen

Fake History und Geschichtsfälschung. Historische Irreführung und Quellenmanipulation als Herausforderung der Wissenschaft

Vortragsreihe im Sommersemester 2018,

jeweils dienstags um 18.30 Uhr c. t.

LMU München, Hörsaal A 017

Termine und Veranstaltungsprogramm:

8. Mai 2018
Magnus BRECHTKEN (IfZ München): Von Geschichtsfälschern und Abschreibern: Der »Fall« Albert Speer und Joachim Fest
Seit 1931 NSDAP-Mitglied und bald ein Vertrauter Hitlers, wurde Albert Speer rasch zum Architekten des Rassenstaates. Im Krieg engagierte er sich als Rüstungsminister unermüdlich für den totalen Kampf und die Vernichtungsmaschinerie. Gleichwohl behauptete er nach Kriegsende, stets distanziert, ja eigentlich unpolitisch und gar kein richtiger Nazi gewesen zu sein. Der Vortrag soll zeigen, wie es Speer gelang, diese Legende zu verbreiten, und wie Millionen Deutsche sie begierig aufnahmen, um sich selbst zu entschulden. Er beschreibt darüber hinaus, wie der Verleger Wolf Jobst Siedler und der Publizist Joachim Fest Speer dabei zur Hand gingen und wie unkritisch Historikerinnen und Historiker deren Fabeln über Jahrzehnte übernahmen.

22. Mai 2018
Eric KNIBBS (Williamstown, USA): Der Fall des achtlosen Fälschers: Betrug und Glaubwürdigkeit im neunten Jahrhundert
Um die Mitte des 9. Jahrhunderts fertigte ein unbekannter Fälscher, den wir nur unter der Bezeichnung »Pseudoisidor« kennen, eine lange Reihe von Briefen der frühen Päpste und anderer Texte an, die zu den wichtigsten und einflussreichsten Fälschungen des gesamten Mittelalters gehören und erst in der Neuzeit als Fälschung entlarvt wurden. Dabei waren die pseudoisidorischen Erfindungen erfolgreich, obwohl ihr Fälscher mit ziemlicher Achtlosigkeit zu Werke gegangen war, denn die Texte weisen zahlreiche Anachronismen und Ungereimtheiten auf, die vermeidbar gewesen wären. Der Vortrag geht der Frage nach, warum der Fälscher so lange unentdeckt blieb und welches Verständnis von Wahrheit und Fälschung im Mittelalter herrschte.

5. Juni 2018
Arndt BRENDECKE (LMU München): Mord im Archiv. Simancas oder wie man etwas
zum Schweigen bringt
Von Karl V. begründet, baute sein Sohn Philipp II. als König Kastiliens Mitte des 16. Jahrhunderts die Festung von Simancas zum ersten großen Zentralarchiv eines europäischen Landes aus. Leopold von Ranke folgend, rühmten Generationen von Historikern die kluge Verbindung von systematischem Wissensspeicher und hoher Politik. Wenn aber Wissen so eine wichige Ressource der Politik war, warum schloss man es dann hunderte Kilometer entfernt von Hof in einer Burg ein? Im Vortrag wird gezeigt, was in dieser Festung wirklich geschah und welchen Stellenwert Wissen an einem Ort der Macht besaß.

19. Juni 2018
Arno MENTZEL-REUTERS (MGH München): Wie die Trojaner nach Würzburg kamen. Frühhumanistische Quellenfiktion und Quellenarbeit bei Johannes Trithemius

Man hat den Benediktinerabt Johannes Trithemius (1462 — 1516) als Lügenmönch und sogar als Psychopathen geschildert, weil er in seinen letzten Lebensjahren Chroniken verfasste, die mit fiktiven Quellenangaben arbeiten. Eine kritische Überprüfung beweist: Hinter den »Fälschungen« steht der Versuch einer Neuordnung des Geschichtsdenkens.

3. Juli 2018
Christian FUHRMEISTER (Zentralinistitut für Kunstgeschichte München): Akteure und Strukturen des Umgangs mit NS-Raubkunst seit 1945: Vertuschung und Verleugnung

Gerade im »Betriebssystem Kunst« sind Kontinuitäten über die vermeintliche »Stunde Null« hinaus bemerkenswert stark ausgeprägt. Während die systematisch ausgegrenzten jüdischen Kunsthändler nur in Ausnahmefällen zurückkehrten — ebenso wenig wie die als »entartet« diffamierten, verfolgten und ermordeten jüdischen Künstler —, sind vielfältige Kontinuitäten zu beobachten: von den Institutionen über Organisationen bis zu den Akteuren, von den Privatsammlern bis zu den Strukturen der Produktion, Distribution und Rezeption von Kunst. In vielen Fällen waren dabei Um- und Neudeutungen erforderlich, Re-Evaluationen und Re-Konfigurationen, gelegentlich die Revision und Neuerfindung der Biographie, und manchmal genügte dreiste Vertuschung und Verleugnung für die Transformation.
Der Vortrag präsentiert Beispiele aus unterschiedlichen Feldern (Museum, Denkmalpflege, Universität, Handel, etc.) und fragt, warum man Lügen glaubt.

Fake History und
Geschichtsfälschung

Vortragsreihe im Sommersemester 2018,
jeweils dienstags um 18.30 Uhr c. t.

Veranstaltungsort:
Ludwig-Maximilians-Universität München
Hauptgebäude, Hörsaal A 017
Geschwister-Scholl-Platz 1
80539 München

Diese Vortragsreihe ist eine Veranstaltung der Monumenta Germaniae Historica im Rahmen des Kompetenzverbundes Historische Wissenschaften München.

Flyer

Poster

 

12.04.2018 13:38