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Wir trauern um Prof. Dr. Rudolf Schieffer

Rudolf Schieffer (Quelle: AWK NRW/Andreas Endermann)

*31. Januar 1947 in Mainz, † 14. September 2018 in Bonn

Die Monumenta Germaniae Historica trauern um ihren Alt-Präsidenten Rudolf Schieffer

Gestern starb in Bonn nach kurzer schwerer Krankheit und dennoch unerwartet Prof. Dr. Rudolf Schieffer im 72. Lebensjahr.
Rudolf Schieffer war von 1994 bis 2012 Präsident der Monumenta Germaniae Historica (MGH). Sein ganzes wissenschaftliches Leben und Werk war eng mit den MGH verbunden.
Im Jahr 1975 holte Horst Fuhrmann ihn als wissenschaftlichen Mitarbeiter nach München und beauftragte ihn mit der Herausgabe der Briefe Erzbischof Hinkmars von Reims aus dem 9. Jahrhundert. Erst vor wenigen Wochen ist der 2. Teilband dieser Briefausgabe erschienen, mit dem Rudolf Schieffer die Edition, die in den 1930er Jahren Ernst Perels begonnen hatte, fortsetzte. Bereits 1980 hatte Rudolf Schieffer zusammen mit Thomas Gross Hinkmars Schrift De ordine palatii in der MGH-Reihe Fontes iuris Germanici antiqui in usum scholarum separatim editi herausgegeben. Als amtierender Präsident hat er dann 2003 einen umfangreichen Band mit weiteren Briefen und Schriften Hinkmars bei den MGH als Supplementband II zum Band 4 der Reihe Concilia publiziert.
Seine an der Universität Regensburg eingereichte Habilitationsschrift über „Die Entstehung des päpstlichen Investiturverbots“ erschien 1982 in den Schriften der MGH. Bereits 1980 hatte er München verlassen, um in seiner Heimatstadt Bonn den Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte einzunehmen. Er blieb auch von Bonn aus dem Institut verbunden, arbeitete an seinem Editionsprojekt, rezensierte in großem Umfang für das Deutsche Archiv für Erforschung des Mittelalters und kam in jedem Frühjahr und Sommer nach München, um in der Bibliothek der MGH zu arbeiten – nach seiner Aussage war das für ihn der beste Urlaub.
Bereits 1983 war er zum ordentlichen Mitglied der Zentraldirektion der Monumenta Germaniae Historica gewählt worden und trat 1994 dann als Nachfolger von Horst Fuhrmann das Präsidentenamt an. Gleichzeitig übernahm er zusammen mit Johannes Fried die Herausgeberschaft für das Deutsche Archiv, das ihm sehr am Herzen lag.
Während seiner gesamten Amtszeit, die zwar auch von der Teilnahme an vielen Tagungen und Kommissionssitzungen geprägt war, war es ihm ein Anliegen, die eingereichten Editions-, Buch- und Aufsatzmanuskripte selbst durchzusehen, bevor sie in Druck gingen. Wenn später am Abend noch Licht aus dem Lesesaal des Instituts auf die Ludwigstraße fiel, konnte man davon ausgehen, dass Rudolf Schieffer dort saß und an einem der zahlreichen Vorträge arbeitete, die er mit großer Begeisterung hielt, oder eingereichte Manuskripte überprüfte.
Nach seinem Eintritt in den Ruhestand ging Rudolf Schieffer zurück in seine Heimatstadt Bonn, aber die Zahl seiner knappen und präzisen Rezensionen für das Deutsche Archiv blieb annähernd gleich, und er arbeitete jetzt mit größerem Engagement an seiner Hinkmar-Edition, die zum Abschluss zu bringen ihm nicht mehr vergönnt war.
Die Monumenta Germaniae Historica werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.
Martina Hartmann, 15.9.2018

15.09.2018 17:27