Neuerscheinungen 2007
(Schriften 56)
Bernd Kannowski, Die Umgestaltung des Sachsenspiegelrechts durch die Buch'sche Glosse
XLVI und 655 S. 8º. 2007.
ISBN 978-3-7752-5756-5 Ln. € 75,-
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Um 1230 erstellte der sächsische Schöffe Eike von Repgow mit dem Sachsenspiegel die erste größere Rechtsaufzeichnung in deutscher Sprache. Etwa 100 Jahre später kommentierte der Rechtsgelehrte Johann von Buch diesen Rechtstext nach den Arbeitsmethoden der Bologneser Juristen in der Buch'schen Glosse. Im Gegensatz zum Sachsenspiegel ist die Buch'sche Glosse wissenschaftlich nahezu unbearbeitet, obwohl sie das erste Werk juristischer Kommentarliteratur in deutscher Sprache ist und den mit am breitesten überlieferte deutschsprachige Rechtstext des späten Mittelalters darstellt. Kannowski bietet in seiner Habilitation auf der Grundlage der MGH-Edition der Buch'schen Glosse (MGH Fontes iuris N. S. 7), die mit ihrem Erscheinen im Jahre 2002 erst eine verläßliche Textgrundlage schuf, eine breit angelegten Analyse von Johanns Werk. Anhand ausgewählter prägnanter Problemkomplexe wie Prozeßrecht, Königtum, Freiheit, öffentliches Strafrecht und Privatrecht beschreibt Kannowski das Rechtsdenken Johanns von Buch. Vor dem Hintergrund der beginnenden Rezeption des gelehrten Rechts präsentierte die Buch'sche Glosse das alte Recht in völlig neuem Licht und veränderte es zum Teil grundlegend.
(Studien und Texte 44)
Roger Collins, Die Fredegar-Chroniken
XVI und 152 S. 8º. 2007.
ISBN 978-3-7752-5704-6 geb. € 20,-
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Die "Chronik Fredegars" gehört zu den wichtigsten, aber auch problematischsten Quellen der Merowinger- und frühen Karolingerzeit. Bislang ging die Forschung davon aus, dass es sich um ein Werk handele, dessen ursprünglich bis 642 reichende Gestalt in mehreren Continuationes bis 768 unter der Verantwortung von Graf Childebrand und seinem Sohn Nibelung fortgesetzt worden sei. In dieser Untersuchung wird nach gründlicher Analyse des Inhalts und der Handschriften gezeigt, dass es sich um zwei wesentlich verschiedene Werke handelt: eine Chronik "Fredegars", die durch die der maßgeblichen Edition von Bruno Krusch (MGH SS rer. Merov. 2, 1888) zu Grunde gelegte Handschrift Paris, Bibliothèque Nationale 10190 hervorragend bezeugt ist und ein zweites, bislang in seiner Eigenständigkeit verkanntes Werk. Denn unter der Regie von Childebrand und Nibelung sind keineswegs nur Anhänge hinzugekommen: das gesamte Werk wurde einer redaktionellen Umgestaltung unterzogen, gewann so einen ganz selbständigen Charakter und bedarf einer (noch ausstehenden) eigenen Edition. Zur deutlicheren Unterscheidung schlägt Collins dafür den in einer vatikanischen Handschrift überlieferten Titel Historia vel Gesta Francorum vor. Mit seiner detaillierten Analyse und gründlichen Aufarbeitung der Überlieferung legt Collins in diesem Band für eine künftige Edition die unentbehrliche Grundlage.
(Studien und Texte 45)
Daniel Eichler, Fränkische Reichsversammlungen unter Ludwig dem Frommen
XXII und 124 S. mit 3. Tab. sowie 4 Karten. 8º. 2007.
ISBN 978-3-7752-5705-3 geb. € 20,-
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Die vorliegende Studie ist als Vorarbeit zur kritischen Edition der Urkunden Kaiser Ludwigs des Frommen (814-840) im Rahmen der Diplomata-Reihe der MGH entstanden und behandelt eine zentrale Einrichtung frühmittelalterlicher Verfassungswirklichkeit. Sie will damit einen Beitrag zum besseren Verständnis der Herrschaftspraxis des Kaisers leisten. Im Gegensatz zu dem stark institutionell und normativ ausgerichteten Modell der älteren Verfassungsgeschichte stellt die Arbeit die Flexibilität und Offenheit der Reichsversammlungen als Herrschaftsinstrument heraus und grenzt sie von anderen Formen von Zusammenkünften ab. Einen zweiten Schwerpunkt der Untersuchung bilden Ort und Zeit, Teilnehmerkreis und Einzugsbereich sowie Procedere und Beratungsgegenstände der Reichsversammlungen, die zugleich in den jeweiligen politischen Kontext eingebettet werden. Eine tabellarische Übersicht der Reichsversammlungen sowie erläuternde Diagramme und Karten, etwa zur jahreszeitlichen und geographischen Verteilung, erlauben eine schnelle Orientierung.
(Studien und Texte 42)
Jörg W. Busch, Vom Amtswalten zum Königsdienst
Beobachtungen zur 'Staatssprache' des Frühmittelalters am Beispiel des Wortes administratio
XXX und 156 S. 8º. 2007.
ISBN 978-3-7752-5702-2 geb. € 20,-
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Antike Texte bezeichnen mit administratio die Besorgung laufender Geschäfte für einen anderen oder in seinem Auftrag und sprechen so auch ein Element der 'Staatlichkeit' an. Daher versteht sich die Geschichte dieses Wortes zwischen dem 5. und 9. Jahrhundert als ein Beitrag zu der kontrovers erörterten Frage, welche Vorstellungen das Frühmittelalter von der Verfaßtheit seiner Gemeinwesen hegte, indem darauf geblickt wird, ob und wie lateinschreibende Zeitgenossen die mit administratio verbundene Denkfigur erfaßten. Zwischen 439 und 814 ist das Wort zwar mit den Texten des römischen Rechts überliefert, eigenständig gebraucht wurde es jedoch nicht. Erst als Ludwig der Fromme 814 die Herrschaft antrat, benutzte die intellektuelle Randgruppe seiner aquitanischen Berater administratio zunächst für nachrangiges Amtswalten und dann für Ludwig selbst als Geschäftsführer Gottes, was nicht unwidersprochen blieb und mit der Krise seiner Herrschaft sofort verschwand. Auch wenn sich im Urkundenformular die nachrangige administratio länger hielt, ließ sich doch die Vorstellung institutionalisierter Amtswaltung nicht etablieren, so lange das Denken vor allem den unmittelbar erfahrbaren Personenbeziehungen verhaftet blieb.
(Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser 14,2)
Die Urkunden Friedrichs II.
Teil 2: 1212-1217
Herausgegeben von Walter Koch unter Mitwirkung von Klaus Höflinger, Joachim Spiegel und Christian Friedl
XII und 791 S. 4º. 2007.
ISBN 978-3-7752-2002-6 € 120,-
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Der vorliegende zweite Band der Urkunden Friedrichs II. umfaßt die Diplome und Mandate vom September 1212, als der noch nicht 18-jährige Friedrich erstmals deutschen Boden betrat, bis zum Ende des Jahres 1217. In diesen ersten Jahren seiner sog. deutschen Königszeit stehen jene zahlreichen Privilegien im Vordergrund, mit denen der noch junge König seine Parteigänger belohnt bzw. sich darum bemüht, neue Anhänger in der Auseinandersetzung mit Otto IV. zu gewinnen, und die zur Konsolidierung seiner Herrschaft im Umfeld seiner Königskrönung zu Aachen im Juli 1215 beitragen. Insgesamt sind in diesem Band 256 Urkunden ediert, die überwiegend deutschen Empfängern gelten, wobei am Rande auch Reichsitalien, Burgund und das Regnum Siciliae vertreten sind. Stücke von zentraler Bedeutung sind die viel diskutierten Urkunden für den König von Böhmen und den Markgrafen von Mähren - die ersten drei Nummern des vorliegenden Bandes -, die Dokumente im Umfeld der Goldenen Bulle von Eger (Juli 1213) sowie die in der Tradition seines Großvaters Friedrich Barbarossa stehende Privilegierung von arelatensischen Empfängern auf dem Hoftag von Basel (November 1214).
Die Urkunden aus den sich daran anschließenden Monaten bis zum August 1220, als Friedrich II. wieder nach Italien zurückkehrte, sind für den dritten Band vorgesehen.
(Schriften 57)
Johann Englberger, Albert Behaim und die Lorcher Tradition in der Passauer Geschichtsschreibung.
Die Descriptio gentium et diversarum nationum Europe
XXX und 563 S. 8º. 2007.
ISBN 978-3-7752-5757-2 Ln. € 65,-
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Die "Lorcher Tradition", also die Vorstellung, daß das Bistum Passau Nachfolger des antiken "Erzbistums" Lorch am Unterlauf der Enns gewesen sei, ist mit den Urkundenfälschungen des Bischofs Pilgrim (971-991) verknüpft. Doch erst die Passauer Geschichtsschreibung des 13. Jahrhunderts hat dieser Geschichtskonstruktion zum Durchbruch verholfen. Aus dieser Zeit existieren sieben anonyme und disparat überlieferte historiographische Texte, von denen man schon lange annahm, daß sie eng zusammengehören. Johann Englberger unternimmt den Versuch zu zeigen, daß diese Texte nicht nur von einem Autor stammen, sondern daß sie sogar die Bestandteile eines einzigen Werkes bilden. Die Passauer Habilitationsschrift stellt das Werk, mit dem Titel Descriptio gentium et diversarum nationum Europe, in seiner Urfassung wieder her, beschreibt die historiographische Arbeitsweise des Autors, ordnet die Entstehung des Werkes in den zeitgeschichtlichen Kontext ein, weist den Passauer Domdekan Albert Behaim († 1260) als Autor detailliert nach, klärt dessen Motive und Intentionen und erhellt die Überlieferungsgeschichte. Den Abschluß bilden schließlich die Edition derjenigen Fassung des Werkes, von der die bekannte Überlieferung ausgeht ("Redaktion Y"), und die Rekonstruktion der ursprünglichen Fassung Albert Behaims ("Urfassung X").
(Concilia 6, Teil 2)
Die Konzilien Deutschlands und Reichsitaliens 916-1001
Teil 2: [962-1001]
Herausgegeben von Ernst-Dieter Hehl, unter Mitwirkung von Carlo Servatius
XL und S. 213-795 4º. 2007.
ISBN 978-3-7752-5330-7 geb. € 120,-
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Der vorliegende zweite Teil enthält die Konzilien der Synoden im nordalpinen Reich, in Reichsitalien und in Rom von der Kaiserkrönung Ottos des Großen bis zum Tod Ottos III. Für den Bereich südlich der Alpen ist ein enges Zusammenwirken von Papst und Kaiser charakteristisch, wobei es häufig um die Organisation der Kirche des nordalpinen Reiches ging (Gründung des Erzbistums Magdeburg, Auflösung des Bistums Merseburg). Die Beschlüsse sind nur noch selten in Kanones gefaßt, sondern vor allem aus Papsturkunden und erzählenden Quellen bekannt; die Edition nimmt deshalb teilweise den Charakter einer Dokumentation an. Einbezogen sind auch die Synoden zum Streit um Reims zwischen den Erzbischöfen Arnulf und Gerbert, denn Gerbert hat die Beschlüsse der Synode von St-Basle 991 mit einem kommentierenden Brief (ep. 217) an Bischof Wilderod von Straßburg geschickt, der hier ebenfalls ediert wird. Zusammen mit der Synode von Mouzon 995 und dem Concilium Causeium 995 werden diese Zusammenhänge verdeutlicht und die neueren Ausgaben der Briefe Gerberts ergänzt. Wegen ihrer engen Bezüge zur Reichsgeschichte sind auch die Nachrichten zu der Synode aufgenommen, die im Jahre 1000 während der Pilgerfahrt Ottos III. in Gnesen stattfand. Der Sachkommentar erschließt vor allem die Fundierung der Synoden im zeitgenössischen Kirchenrecht. Die umfangreichen Register am Ende beziehen sich auf beide Teilbände.
(Quellen zur Geistesgeschichte des Mittelalters 22)
Quellen zur Geschichte der Waldenser von Straßburg (1400-1401)
Herausgegeben von Georg Modestin
X und 287 S. sowie 4 Abb. 8º. 2007.
ISBN 978-3-7752-1022-5 geb. € 38,-
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Die Akten des Prozesses gegen die Waldenser von Straßburg vom Frühjahr 1400 gehören zu den vollständigsten ihrer Art. Die hundertfünfzig Jahre alte Teiledition des Straßburger Pastors und Kirchenhistorikers Timotheus Wilhelm Röhrich genügte - so verdienstvoll sie in ihrer Zeit auch war - modernen Anforderungen nicht mehr. Die vorliegende Neuedition enthält nebst den erstmals komplett aufgearbeiteten Prozessmitschriften sämtliche greifbaren Quellen zum Straßburger Verfahren, von denen einige gänzlich unbekannt waren. Die Dokumentation erlaubt die genaue Rekonstruktion des Geschehens, insbesondere die Unterscheidung der aufeinander folgenden Prozessphasen, die in dieser Art bislang nicht möglich war. Dabei haben sich gerade die von Röhrich wegen ihres angeblichen Doublettencharakters nicht berücksichtigten Teile als die Transkripte der Voruntersuchung herausgestellt und werfen ein neues Licht auf den gesamten Ablauf. In der Einleitung zur Edition werden die Akten kodikologisch untersucht, genauer als bislang datiert und ihre Rezeptionsgeschichte nachgezeichnet. Die Edition der Gerichtsakten wird im Anhang durch Biographien der Straßburger Waldenser ergänzt, in denen die Einzelschicksale der von der Verfolgung Betroffenen beleuchtet werden.
Parallel zu der Edition erschient vom selben Autor unter dem Titel Ketzer in der Stadt. Der Prozess gegen die Straßburger Waldenser von 1400 (MGH Studien und Texte 41) eine monographische Darstellung.
(Studien und Texte 41)
Georg Modestin, Ketzer in der Stadt. Der Prozess gegen die Straßburger Waldenser von 1400
XIX und 169 S. 8º. 2007.
ISBN 978-3-7752-5701-5 geb. € 25,-
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Diese Darstellung stützt sich auf die Edition der Prozessmitschriften sowie weiterer Zeugnisse, die vom Autor parallel unter dem Titel Quellen zur Geschichte der Waldenser von Straßburg (1400-1401) (MGH Quellen zur Geistesgeschichte des Mittelalters 22) herausgegeben werden.
Der Prozess gegen die Waldenser von Straßburg vom Frühjahr 1400 war Teil eines mächtigen Verfolgungsschubes, dem sich die deutschsprachigen Waldenser an der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert zwischen dem Rhein und dem ungarischen Königreich ausgesetzt sahen. Die Quellenlage für diese Ereignisse ist örtlich sehr unterschiedlich und reicht nur in Ausnahmefällen für eine monographische Darstellung. Dazu zählt das Straßburger Verfahren, das im vorliegenden Band erstmals umfassend aufgearbeitet wird: Die Einleitung stellt die Waldenserverfolgung des ausgehenden 14. Jahrhunderts gesamthaft dar, bevor sich der Blick auf den Straßburger Kontext verengt. Nach der Analyse der zuständigen Gerichtsorgane und der Rekonstruktion des Prozessverlaufs, folgt eine Sozialstudie zu den straßburgischen Waldensern. Das Augenmerk gilt dabei in besonderem Maße der Stellung der Waldenser im städtischen Beziehungsgefüge. In einem weiteren Kapitel werden die Glaubensvorstellungen der Straßburger "Ketzer" vorgestellt. Der abschließende Ausblick gilt dem Schicksal der vom Prozess Betroffenen, soweit sich deren Spuren nach dem Ende des Verfahrens ausmachen lassen.
(Hilfsmittel 23)
Paul Oskar Kristeller, Latin Manuscript Books Before 1600
A List of the Printed Catalogues and Unpublished Inventories of Extant Collections
Ergänzungsband 2006
von Sigrid Krämer unter Mitarbeit von Birgit Christine Arensmann (†)
153 S. 8º. 2007.
ISBN 978-3-7752-1130-7 geb. € 20,-
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Dieser Nachtragsband setzt die umfassendste Bibliographie der in den Bibliotheken vorhandenen Literatur zur Handschriftenerfassung und Handschriftenkunde fort und enthält neben Nachträgen die Literatur, die seit dem Erscheinen des "Kristeller/Krämer" 1993 auf dem Gebiet der Handschriftenkataloge sowie der Handschriftenkunde neu erschienen ist. Vollständigkeit konnte dabei weder erreicht noch angestrebt werden, dennoch ist ein Werk von umfassendem Charakter entstanden, das auch Kataloge von Beständen mit nicht-lateinischen Handschriften enthält, denn es hat sich bereits als allgemeines Nachschlagewerk für Handschriftenkunde, Handschriftenkataloge und Handschriftenbestände etabliert.
(Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum separatim editi 70)
Die Touler Vita Leos IX.
Herausgegeben und übersetzt von Hans-Georg Krause,
unter Mitwirkung von Detlev Jasper und Veronika Lukas
VIII, 314 S. 8º. 2007.
ISBN 978-3-7752-5391-8 Ln. € 35,-
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Die Touler Vita informiert über Jugend, Aufstieg und Amtszeit des als bedeutendsten deutschen Papsts des Mittelalters geltenden Bruno aus der Familie Egisheim im Elsaß (21. Juni 1002 - 19. April 1054). Dieser Mitte des 11. Jahrhunderts entstandenen Lebensbeschreibung verdanken wir eine Fülle von Nachrichten zu seiner Familie und Kindheit, seiner Ausbildung an der Touler Domschule, seinem Dienst in der Hofkapelle Konrads II., seinem Aufstieg zum Bischof von Toul 1026 und seiner Einsetzung als Papst 1048/49. Die Angaben darüber gehen zweifellos auf Leo selbst oder auf Personen seiner Umgebung zurück und werden von keiner anderen Quelle überliefert. Die vorliegende Ausgabe macht die wichtigste Lebensbeschreibung Papst Leos' IX. nun erstmals in einer kritischen Edition unter Heranziehung aller 23 bekannten Handschriften und mit deutscher Übersetzung einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich. Die Einleitung, in der unter anderem die komplexe Überlieferungslage dieses mittelalterlichen Textes geklärt wird, sowie ein ausführliches Wortregister runden diesen Band ab.
(Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum separatim editi 78)
Die Annalen des Klosters Einsiedeln
Herausgegeben von Conradin von Planta
X und 331 S. sowie 16 S. Abb. 8º. 2007.
ISBN 978-3-7752-5478-6 Ln. € 35,-
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Das erst 934 gegründete Kloster Einsiedeln ist eines der bedeutendsten Reichsklöster der Ottonenzeit. Die Einsiedler Annalen bestehen aus den Annales Meginradi, den Annales Heremi 1 und 2 aus dem 10. und frühen 11. Jh. sowie den Annales Einsiedlenses, die von der Mitte des 11. bis zum Ende des 13. Jh. geführt worden sind. Einsiedeln verfügt somit über einen reichen historiographischen Bestand, der für die schriftarme Periode der Ottonen von überregionaler Bedeutung ist. Die Annales Einsiedlenses bieten zudem als kontinuierlich entstandenes Geschichtswerk Einblick in die langfristige Entwicklung der Einsiedler Historiographie. Der Edition vorangestellt ist eine Einleitung, welche die paläographischen, kodikologischen und textkritischen Probleme erörtert und die Annalen datiert. Die Quellen der Annalen werden ermittelt und in mehreren Fällen die Verwendung heute noch im Kloster liegender Handschriften nachgewiesen. Hervorgehoben sei die Bedeutung der Annales Heremi für die bisher kaum erforschte Rezeptionsgeschichte der Weltchronik Reginos von Prüm.
(Hilfsmittel 24)
Astrid Krüger, Litanei-Handschriften der Karolingerzeit
L und 842 S. sowie 16 Abb. 8º. 2007.
ISBN 978-3-7752-1131-4 geb. € 70,-
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Astrid Krüger eröffnet in dem vorliegenden Band dem Leser einen Blick auf ein bisher selten beachtetes "religionsgeschichtliches Urphänomen" (Gunkel), das Litanei-Gebet. Seit dem 8. Jahrhundert werden Fürbitten mit der Anrufung von Heiligen verbunden, dabei entstanden Allerheiligenlitaneien mit zum Teil mehr als 100 Namen. Die Heiligenlisten sind dabei von unglaublicher Vielfalt, man findet Heilige aus ganz Europa, von Irland im Nordwesten bis Griechenland im Südosten. Die Autorin erfaßt erstmals die über 70 erhaltenen Litaneien aus karolingischer Zeit, vergleicht sie miteinander und setzt sie zu anderen hagiographischen Quellen des Frühmittelalters, z.B. Kalendern und Martyrologien, in Beziehung. Zudem wird mehr als die Hälfte der behandelten Litaneien durch eine Edition dem Leser zugänglich gemacht. Die Darstellung verbindet auf diese Weise mittelalterliche Ereignisgeschichte mit Liturgiegeschichte und Hagiographie und stellt so der Forschung eine neue Quellengruppe zur Verfügung.
Neuerscheinungen 2006
(Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser 18,2)
Die Urkunden Heinrich Raspes und Wilhelms von Holland
Teil 2: Wilhelm von Holland 1252-1256
Herausgegeben von Dieter Hägermann und Jaap G. Kruisheer unter Mitwirkung von Alfred Gawlik
CXI, 16 S. Abb. S. 271-743. 4º. 2006.
ISBN 978-3-7752-5422-9 € 70,-
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Der nun vorliegende zweite Teil der Urkunden Heinrich Raspes und Wilhelms von Holland umfaßt die Diplome Wilhelms von Holland vom Juni 1252 bis zum Jahr 1265 (Nr. 219-401), außerdem verlorene Urkunden und Briefe (Nr. 402-442), verbesserte Textfassungen und neue Texte (Nr. 115 und 160 bzw. 112a, 160a, 218a) vier Konsensakte Wilhelms (Nr. 443-446), zwei Stilübungen, einen Entwurf bzw. eine weitere Stilübung, eine Liste der neuzeitlichen Fälschungen auf den Namen Heinrich Raspes bzw. Wilhelms von Holland, Nachträge und Berichtigungen, eine archivalische Übersicht und eine Liste der Empfänger und Adressaten, die Register der Namen, Wörter und Sachen sowie Konkordanzen. Damit liegen nun die nicht weniger als ca. 400 Urkunden König Wilhelms von Holland vor, die seine politische Wirksamkeit in drei Phasen erkennen lassen: Die Anfangsphase, gekennzeichnet durch Schwierigkeiten bei der Übernahme des Herrscheramtes, läßt nur einen gelegentlichen Ausgriff über einen engen Radius hinaus erkennen; im ersten wichtigen Auftrieb, nach dem Tod Friedrichs II., trat er mit dem Grafen von Burgund und der Geistlichkeit im reichszugehörigen Arelat in nähere Beziehung; die dritte, zugleich bedeutsamste Phase, eingeleitet durch die sogenannte Braunschweiger Nachwahl, ist schließlich von einer ständig sich vermehrenden Anhängerschaft gekennzeichnet.
(Hilfsmittel 25)
Eduard Hlawitschka, Die Ahnen der hochmittelalterlichen deutschen Könige, Kaiser und ihrer Gemahlinnen
Ein kommentiertes Tafelwerk
Band 1: 911-1137
CXI und 770 S. sowie 32 Tafeln in 2 Bänden. 8º. 2006.
ISBN 978-3-7752-1132-1 geb. € 80,-
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Obwohl im Hochmittelalter die Feststellung der Vorfahren und die Ermittlung der Gradnähe von Verwandtschaften bei allen Erbrechtsfällen, bei strittigen Königsthronkandidaturen, bei Lehensansprüchen, bei "Ahnenproben" für die Aufnahme in adlige Domkapitel und bestimmte Kanoniker- und Kanonissenstifte usw. unabdingbar waren, hat die Erforschung der Ahnenstränge der Führungseliten in der heutigen Mediävistik keine Konjunktur. Allenfalls gilt das Interesse Nachkommentafeln (Deszendenztafeln), auf denen ein Geschlecht von seinem "Stammvater" her betrachtet werden kann. Es gibt aber bis heute kein Nachschlagewerk, das - zumindest für den Bereich der Könige und Kaiser - einen verläßlichen Aufschluß über die Ahnen (Aszendenz) gewährt. Diesem Mangel wird mit vorliegendem Doppelband entgegengetreten. In ihm werden für alle Regenten von Konrad I. bis Lothar III. und ihrer Gemahlinnen nicht nur auf 32 Tafeln die Ahnen - soweit ermittelbar - zusammengestellt, sondern es wird für jeden einzelnen Filiationsschritt die Quellenbasis mitgeteilt. Durch die Gemahlinnen der deutschen Herrscher ist der Hochadel gleichsam ganz Europas einbezogen. Ein weites Feld der europäischen Adelsgeschichte wird somit erschlossen.
(Schriften 55)
Norbert Kamp, Moneta regis. Königliche Münzstätten und königliche Münzpolitik in der Stauferzeit
LIV und 575 S. 8º. 2006.
ISBN 3-7752-5755-1 Ln. € 70,-
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Die von Percy Ernst Schramm betreute Dissertation, mit der Norbert Kamp 1957 in Göttingen promoviert wurde, konnte bisher in der Forschung nur nach Kopien des Typoskripts zitiert werden, die in Fachkreisen zirkulierten. Wegen ihrer fruchtbaren Verbindung von chronikalische, urkundliche und urbariale Überlieferung mit Münzfunden und Münzen fand das Werk in der Forschung durchaus große Beachtung. Kamp wendet sich in dem nun als Buch vorliegenden Werk der Frage der königlichen Geldwirtschaft der Stauferzeit in drei Aspekten zu: Der erste Teil ist den Fragen des königlichen Münzrechts gewidmet; der zweite einer eingehenden Behandlung der Geschichte dreier königlicher Münzstätten quasi als "Modellfälle", nämlich Nürnberg, Donauwörth und Schongau; während davon ausgehend im dritten Teil versucht wird, ein Gesamtbild von der staufischen Münzpolitik, ihren Zielsetzungen, ihren Mitteln und Wegen sowie von ihren Leistungen und Ergebnissen zu gewinnen. In einem umfangreichen Anhang bietet das Buch ausführliche Beleg- und Fundverzeichnisse mit dazugehörigen Karten zur geographischen Verortung. Das Nachwort von Reiner Cunz würdigt die Bedeutung des Werkes für die numismatische Forschung und gibt ergänzende Hinweise auf neuere Erkenntnisse. Ein Orts- und Namenregister sowie ein Verzeichnis der Kaiser- und Königsurkunden runden den Band ab. Dieses Werk bildet auch nach Jahrzehnten seiner Entstehung einen Meilenstein für die numismatische Forschung, für Heimat- und Lokalgeschichtsforscher ist es eine wahre Fundgrube.
(Fontes iuris Germanici antiqui, Nova series 8)
Glossen zum Sachsenspiegel-Lehnrecht — Die kürzere Glosse
Herausgegeben von Frank-Michael Kaufmann
LXIV, VIII und 718 S. sowie 8 S. Abb. in 2 Bänden 8º. 2006.
ISBN 3-7752-2108-5 geb. € 90,-
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Die Arbeitsstelle "Sachsenspiegel-Glosse" der Monumenta Germaniae Historica, als sogenanntes Akademie-Unternehmen bei der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig angesiedelt, legt - nach dem Erscheinen der Buch'schen Glosse zum Sachsenspiegel-Landrecht im Jahre 2002 - nunmehr ein weiteres Arbeitsergebnis vor: Die Edition der kürzeren Glosse zum Lehnrecht des Sachsenspiegels stellt der wissenschaftlichen Welt erstmals eine modernen Ansprüchen genügende historisch-kritische Ausgabe zur Verfügung. Damit ist nach den vergeblichen Anstrengungen vergangener Gelehrtengenerationen auch für die Glossen zum Sachsenspiegel-Lehnrecht ein erster erfolgreicher Schritt getan, um auf verläßlicher Textgrundlage die bedeutende spätmittelalterliche Quellengattung "Sachsenspiegel-Glossen", d. h. die nach den Arbeitsmethoden der Bologneser Juristen seit dem 14. Jahrhundert vorgenommenen Auslegungen, Erläuterungen und Kommentierungen des Sachsenspiegels, für weiterführende Forschungen zu erschließen. Die vorliegende Edition bietet auf Grundlage von 10 Handschriften und eines Primärdrucks den Text des Sachsenspiegel-Lehnrechts mit der kürzeren Glosse in ihren drei Ordnungen. Den Anhang bilden ein Überblick über die gesamte Überlieferung der Lehnrechts-Glossen und zahlreiche Register.
(Studien und Texte 39)
Karl-Georg Schon, Die Capitula Angilramni
Eine prozessrechtliche Fälschung Pseudoisidors
XX und 198 S. 8º. 2006.
ISBN 3-7752-5739-X geb. € 30,-
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Zum ersten Mal wird in diesem Band die kritische Edition einer pseudoisidorischen Fälschung vorgelegt, die sich auf die gesamte Breite der heute bekannten Überlieferung stützt und Quellen wie kanonistische Rezeption bis zum Dekret Gratians einbezieht. Die Capitula Angilramni waren mit mehr als 230 Zitaten in zwei Dutzend der wichtigsten Sammlungen von der Mitte des 9. bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts die am dichtesten rezipierte Fälschung. Sie bilden über das Dekret Gratians und den Codex Iuris Canonici von 1917 bis zum geltenden Kirchenrechtsgesetzbuch der katholischen Kirche eine wichtige Grundlage für das kirchliche Strafprozessrecht. Anhand dieser Sammlung lassen sich einige Kernsätze Pseudoisidors studieren. Die Einleitung dieser Ausgabe widmet sich neben der Überlieferungsgeschichte besonders der kirchenrechtlichen Wirkungsgeschichte der Capitula Angilramni bis zum Dekret Gratians. Der kritischen Edition ist eine deutsche Übersetzung beigegeben, und sie wird durch ein Initienverzeichnis, ein Verzeichnis der Quellen und Parallelfälschungen sowie durch ein Wortregister erschlossen.
(Quellen zur Geistesgeschichte des Mittelalters 21)
Schriften zur Komputistik im Frankenreich von 721 bis 818
Herausgegeben von Arno Borst
LIV, VI, VI und 1643 S. in 3 Bänden 8º. 2006.
ISBN 3-7752-1021-0 geb. € 150,-
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"Frage: Was ist die Zeit? - Antwort: Die Zeit ist der Raum, der sich vom Anfang bis zum Ende spannt. - Frage: Wieviele Teile hat die Zeit? - Antwort: Die Zeit hat 14 Teile: das Atom, den Moment, die Minute, den Punkt, die Stunde, den Vierteltag, den Tag, die Woche, den Monat, die Jahreszeit, das Jahr, das Jahrtausend (saeculum), das Zeitalter, die Welt."
Mit diesen Sätzen begann der 'Computus Hibernicus', eine lateinische Schrift, die 689 in Irland von einem namenlosen Autor verfaßt, 719 neu bearbeitet und 817 in Regensburg abgeschrieben wurde. Dreizehnhundert Jahre später fragen wir immer noch, was die Zeit eigentlich ist. Die hier vorgelegten Ausgaben beenden Arno Borsts Studien zur Nutzung, Gliederung und Deutung der Zeit im europäischen Frühmittelalter, die ihn seit 1968 beschäftigen. Nach einer ausführlichen Einleitung über Probleme, Geschichte und Überlieferung der Komputistik und dem Verzeichnis der Handschriften, das allein 112 Seiten umfaßt und als vorläufige Übersicht komputistischer Schriften vom 8. bis 12. Jahrhundert dienen kann, ediert Borst 20 Komputistische Schriften, vom aquitanischen Vorwort zur Ostertafel von 721 bis zur Salzburger Enzyklopädie von 818, nach 135 Handschriften und 2 Drucken verschollener Codices. Der Autor liefert damit ein grundlegendes Standardwerk für die Beschäftigung mit frühmittelalterlicher Komputistik.
(Studien und Texte 38)
Karl-Georg Schon, Unbekannte Texte aus der Werkstatt Pseudoisidors: Die Collectio Danieliana
XII und 116 S. 8º. 2006.
ISBN 3-7752-5738-1 geb. € 20,-
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Eine unscheinbare Sammlung des 9. Jahrhunderts aus der Berner Burgerbibliothek überliefert bisher unbekannte Texte aus der Werkstatt Pseudoisidors, die thematisch um das kirchliche Prozeßwesen kreisen. Die hier erstmals gedruckte Kanonessammlung, nach dem frühneuzeitlichen Besitzer der Handschrift - François Daniel - Collectio Danieliana genannt, überliefert nicht nur eine Frühform der Capitula Angilramni, sondern auch Texte, die (z. T. in weiter verfälschter Gestalt) Eingang in die Falschen Kapitularien des Benedictus Levita gefunden haben. Damit wird es möglich, neue Einblicke in die verwickelte Fälschungstechnik der von Klaus Zechiel-Eckes neuerdings im Kloster Corbie verorteten Fälscher zu nehmen. Zugleich ist die Sammlung Quelle für Texte gewesen, die Hinkmar von Laon für seine Auseinandersetzungen mit Hinkmar von Reims zusammengestellt hat, was einen weiteren Beleg für die enge Zusammenarbeit des Laoner Bischofs mit Mitarbeitern der pseudoisidorischen Werkstatt liefert. Neben einer historischen Einordnung der Sammlung enthält der Band die Edition der Collectio Danieliana, die durch ein Initienverzeichnis und ein Wortregister erschlossen wird.
(Studien und Texte 40)
Martina Giese, Die Textfassungen der Lebensbeschreibung Bischof Bernwards von Hildesheim
XXVIII und 137 S. 8º. 2006.
ISBN 3-7752-5700-4 geb. € 20,-
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Die Lebensbeschreibung des ottonischen Musterbischofs Bernward von Hildesheim (993-1022) wurde zuletzt 1841 im Rahmen der MGH selbständig ediert. Seitdem ist die textkritische Diskussion über diese historisch wie kunst-historisch erstrangige Quelle nicht zum Stillstand gekommen. Strittig ist insbesondere, welche Textblöcke bereits zu einer Urfassung gehörten und welche Textbausteine erst später hinzu kamen. Während die bisherige Forschung stark inhaltlich argumentierte, wird in der vorliegenden Studie erstmals systematisch die handschriftliche Überlieferung in den Blick genommen. So gelingt es, die Zahl der erhaltenen lateinischen Überlieferungszeugen von 11 auf 27 zu erhöhen. Auf dieser völlig neuen Basis wird die Textgenese erheblich differenzierter und präziser nachgezeichnet als bislang geschehen: Zu unterscheiden sind demnach neben einer Urfassung der Vita Bernwardi nicht weniger als mindestens zehn weitere Redaktionen. Durch die Einbeziehung weiterer Handschriften aus dem Bibliotheksbestand von St. Michael in die Analyse führt die Spur schließlich auf den dortigen Professen Henning Rose. Um die Wende zur Neuzeit spielte er als Historiker, als Kopist wie auch als Verfälscher der Überlieferung eine erst jetzt in vollem Umfang erkennbare Schlüsselrolle für die Rezeption Bernwards von Hildesheim wie auch Bennos von Meißen. In Anhängen werden die Druckausgaben der Vita Bernwardi zusammengestellt sowie Inedita zur Heiligsprechung Bernwards und von Henning Rose herrührende Interpolationen geboten.
(Scriptores 37)
Die Reichschronik des Annalista Saxo
Herausgegeben von Klaus Naß
XXIX und 752 S. 4º. 2006.
ISBN 3-7752-5537-0 Ln. € 125,-
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Als Annalista Saxo bezeichnet man den anonymen Verfasser einer Chronik, die vom Jahr 741 bis ins Jahr 1139 reicht. Ihr Thema ist die Geschichte des regnum Germanie oder regnum Teutonicum mit seiner karolingischen Vorgeschichte. Sie stellt jahrweise den Reiseweg und die Taten der Herrscher dar und vertieft den Bericht durch geographische und genealogische Exkurse. Hierzu hat der Autor knapp hundert Vorlagen ausgeschrieben, von denen einige heute anderswo nicht mehr überliefert sind. Entstanden ist die Reichschronik zwischen 1148 und 1152 vermutlich im östlichen Sachsen. Als Dokument des Reichsbewußtseins, Kompilation verlorener Texte und wichtige Quelle für die spätsalische und frühstaufische Zeit besitzt sie für den Historiker besonderen Wert. Die neue Edition bietet den Text der Chronik erstmals vollständig nach der Pariser Originalhandschrift, alle Brief- und Urkundennachträge sowie den paläographisch-kodikologischen Befund. Ein Stellenverzeichnis für den Nachweis der Vorlagen sowie ein umfangreiches Register der Namen, Wörter und Sachen erschließen den Band.
(Studien und Texte 37)
Sascha Ragg, Ketzer und Recht
Die weltliche Ketzergesetzgebung des Hochmittelalters unter dem Einfluß des römischen und kanonischen Rechts
XXXII und 303 S. 8º. 2006.
ISBN 3-7752-5737-3 geb. € 40,-
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Mittelalterliche Häresien sind Phänomene, die nicht isoliert betrachtet werden können; vielmehr wurden heterodoxe Glaubensbewegungen im Mittelalter nicht nur durch die jeweiligen historischen Rahmenbedingungen geprägt, sondern beeinflußten ihrerseits über den rein religiösen Kontext hinaus viele Bereiche der mittelalterlichen Lebenswelt. Ausgehend von der Untersuchung der Stellung des Ketzers im Recht befaßt sich die vorliegende Studie mit den Fragen, ob Häretisierungen in bestimmten Fällen auch als Ausdruck sozialer wie politischer Prozesse und Konflikte interpretiert werden können und inwiefern die Ketzergesetzgebung im Hochmittelalter von Herrschaftsträgern in einem politisch- und sozialintegrativen Sinne instrumentalisiert wurde. Unter Berücksichtigung der Einflüsse des römischen und kanonischen Rechts wird dabei der Bogen von den spätantiken Häretikergesetzen über die frühmittelalterlichen Leges und die Kapitularien bis hin zu den herrscherlichen Statuten des 13. Jahrhunderts gespannt. Geographisch konzentriert sich die Arbeit auf den west- und südeuropäischen Raum (England, Frankreich, die Iberische Halbinsel, Deutschland und Italien). Die zeitlich und räumlich weitgefaßte Untersuchung ermöglicht einen Einblick in die Bedingtheit der Ketzergesetzgebung im jeweiligen historischen Kontext und in die Vielfalt von Motiven und sozialen wie politischen Faktoren, die zur Ausprägung des weltlichen Ketzerrechts im Hochmittelalter führten.
(Scriptores rerum Germanicarum, Nova series 21)
Thomas Ebendorfer, Historia Jerusalemitana
Nach Vorarbeiten von Hildegard Schweigl, geb. Bartelmäs herausgegeben von Harald Zimmermann
XXIV und 171 S. 8º. 2006.
ISBN 3-7752-0221-8 geb. € 25,-
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In Ergänzung zu seiner Kaiserchronik (MGH SS rer. Germ., N.S. 18) hat der Wiener Theologe und Universalhistoriker Thomas Ebendorfer (1388-1464) noch einen "Kreuzzugstraktat" verfaßt, nicht zuletzt aus Interesse an den orientalischen Verhältnissen. Nach dem von Papst Urban II. 1095 propagierten 1. Kreuzzug mit der Eroberung Jerusalems (1095-1099) steht vor allem der 3. Kreuzzug (1187-1194) im Blickpunkt, an dem sich nebst dem Kaiser Friedrich Barbarossa auch die Könige Englands und Frankreichs beteiligten.
(Schriften 54)
Christian Jostmann, Sibilla Erithea Babilonica
Papsttum und Prophetie im 13. Jahrhundert
XVIII und 549 S. 8º. 2006.
ISBN 3-7752-5754-3 Ln. € 60,-
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"Vivit, non vivit" – dieses vielzitierte Wort über Kaiser Friedrich II. steht am Anfang der berühmten Sage vom schlafenden Kaiser im Kyffhäuser, der einst wiederkommen soll, um des Reiches Herrlichkeit zu erneuern. Weniger bekannt ist allerdings der Text, aus dem es stammt: Eine apokalyptische Weissagung des 13. Jahrhunderts, die der erythräischen Sibylle zugeschrieben wurde. Ein Text, der mit mehr als 72 überlieferten Abschriften zu den am weitest verbreiteten prophetischen Texten des Spätmittelalters gehört. Die Studie von Christian Jostmann unternimmt eine angemessene Neubewertung dieses Vaticiniums, das in den Quellen zumeist als "Sibilla Erithea" bezeichnet wird. Sie setzt sich kritisch mit der Edition durch Holder-Egger von vor 100 Jahren und der wissenschaftlichen Diskussion seither auseinander, arbeitet die gesamte handschriftliche Überlieferung auf und entwirft ein differenzierteres Bild der Textgeschichte. Weiters wird die Rezeption untersucht und eine detaillierte inhaltliche Analyse des Weissagungstextes vorgenommen, die es ermöglicht, die Prophezeiungen in ihrem historischen Kontext neu einzuordnen. Demnach ist die Sibilla Erithea nicht, wie gemeinhin angenommen, in joachitischen Zirkeln Süditaliens entstanden, sondern an der päpstlichen Kurie. Dies gibt Anlaß zu weitergehenden Überlegungen hinsichtlich Funktion und Pragmatik von Prophetie im Hochmittelalter. Im Anhang werden, neben einem umfangreichen Handschriftenkatalog, wichtige Redaktionstufen der Sibilla Erithea erstmals bzw. neu ediert.
Die Arbeit von Christian Jostmann wurde mit dem Dissertationspreis 2005 der Westfälisch-Lippischen Universitätsgesellschaft (Bielefeld) ausgezeichnet.
