Mit Band 7,3 der MGH Constitutiones liegt jetzt das Urkundenmaterial zu Ludwig dem Bayern, der ab 1328 als erster Wittelsbacher römisch-deutscher Kaiser war, komplett vor – ein Grund, zu feiern. Die Bayerische Vertretung in Berlin bot am 28. Mai den passenden Rahmen und rund 150 Gäste folgten der Einladung. Nach der Begrüßung durch den Hausherren, RDir Maximilian Feichtner, würdigten Prof. Dr. Dr. h. c. Martina Hartmann, Präsidentin der MGH, und Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Christoph Markschies, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, die wissenschaftliche Leistung des Editors Prof. Dr. Michael Menzel. Menzel, seit 2003 mit den Constitutiones Ludwigs IV. betraut, kommentierte in seinem Festvortrag die lange Entstehungszeit der Constitutiones-Bände zu Ludwig IV. nüchtern mit den Worten „die Dinge dauern eben“.
1911 hatte Jakob Schwalm mit Band 5 der MGH Constitutiones die wissenschaftliche Aufarbeitung der herrscherlichen Tätigkeit Ludwigs auf Reichsebene begonnen und nach dem Ersten Weltkrieg noch Band 6,1 vorgelegt. Seine Arbeit wurde in den 30er Jahren fortgeführt von Friedrich Bock und Theodor Ernst Mommsen, der allerdings 1936 in die USA emigrierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg dauerte es über 40 Jahre, bis in der ehemaligen Berliner Arbeitsstelle der MGH, nach der deutschen Teilung der Akademie der Wissenschaften der DDR zugeordnet, nach der Wiedervereinigung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, die Arbeit an den Constitutiones Ludwigs des Bayern wieder aufgenommen wurde. Die Bearbeiter Ruth Bork und nach ihr Wolfgang Eggert konnten Vorarbeiten von Friedrich Bock und Theodor Ernst Mommsen nutzen, die trotz den Verwerfungen des Krieges größtenteils erhalten geblieben waren*. Ab 2003 übernahm Michael Menzel.
Aus seiner intimen Kenntnis der Materie heraus skizzierte Menzel unterhaltsam die große verfassungsgeschichtliche Bedeutung Ludwigs des Bayern und führte dem Auditorium vor Augen, in welchem Ausmaß erst jetzt, dank der fertiggestellten Urkunden-Edition, Ludwigs Rolle in der europäischen Geschichte fundiert eingeschätzt werden kann.
*Nach dem Tod von Wolfgang Eggert führten Ulrike Hohensee, Mathias Lawo, Michael Lindner und Olaf Rader die Teilbände von MGH Constitutiones 6 zu Ende.
>>> Beitrag in der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung (20./21.6.2026) von Sebastian Beck: Ludwig der Bayer – ein ewiger Job
>>> Kurzbeitrag zur Veranstaltung auf der Webseite der Bayerischen Staatsregierung