Aktuelles , Veranstaltungen | 16. Mär. 2026

Sklaverei als systemstärkender Faktor

Prof. Dr. Karl Ubl (Köln), seit 2015 gewähltes Mitglied der Zentraldirektion der MGH, hielt den diesjährigen Vortrag am gemeinsamen Vortragsabend der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der MGH.


Wie immer bei diesem Format war der Vortrag gut besucht. Karl Ubl gab anhand konkreter Quellenbeispiele einen Überblick über die Lebensbedingungen versklavter – im Kontext der Mediävistik als „unfrei“ bezeichneter - Menschen im Reich Karls des Großen. Seine eingangs gestellte Frage, ob man Karl den Großen eher als Befürworter oder Gegner der Sklaverei einschätzen sollte, beantwortete Ubl nach Vorstellung einiger Einzelbeispiele dahingehend, dass Karl wie alle Mächtigen der Zeit die vorhandene Struktur der Versklavung nutzte und damit nicht zuletzt seine Macht stärkte.
Dabei wurde deutlich, dass „Sklaverei“ eine große Bandbreite von Lebenswirklichkeiten umfasste. Am besten trafen es wohl noch die sogenannten Königssklaven, die zum Beispiel selbst Siedlungen und die dort lebenden Menschen besitzen konnten. Im Gegensatz dazu wurde sogenannten Transitsklaven, in Kämpfen Gefangene oder Verschleppte – Frauen, Kinder, Männer – jegliche menschliche Würde genommen, sie wurden wie Vieh ge- und behandelt. Zwischen diesen Extremen gab es verschiedenste soziale Konstellationen und Abstufungen von Unfreiheit: im 21. Jahrhundert kaum mehr vorstellbar und daher ein wichtiges Forschungsthema.


Der Vortrag wird im Deutschen Archiv erscheinen.