(* 23. Mai 1942 in Hamburg, † 18. Januar 2026 in Heidelberg)
Im Alter von 83 Jahren ist am vergangenen Wochenende in Heidelberg Johannes Fried verstorben. Es ist hier nicht der Ort, sein umfangreiches Werk zu würdigen oder die vielfältigen Anregungen darzustellen, die er dem Fach Mediävistik gegeben hat. Hier soll an seine Verdienste um die MGH erinnert werden.
Im Jahr 1989 wurde Johannes Fried, der Lieblingsschüler von Peter Classen (1924-1980), auf ausdrücklichen Wunsch des damaligen Präsidenten Horst Fuhrmann als persönliches Mitglied in die Zentraldirektion gewählt und blieb dies bis an sein Lebensende. Von 2009 bis 2014 war er gleichzeitig Vertreter der Mainzer Akademie der Wissenschaften in der Zentraldirektion. Bis zum Jahr 2019 nahm er gewissenhaft an allen ordentlichen und außerordentlichen Sitzungen teil, danach wurden ihm die Reisen nach München zu beschwerlich.
1983 hatte Johannes Fried in der Schriftenreihe der MGH einen Band nachgelassener Studien seines akademischen Lehrers Peter Classen publiziert. 1996 beteiligte er sich mit einem Beitrag über das zweite Falkenbuch Friedrichs II., eines seiner Lieblingsthemen, an einem Colloquium zum 70. Geburtstag von Horst Fuhrmann, dem er auch über das Kuratorium des Historischen Kollegs eng verbunden war.
Als Rudolf Schieffer 1994 Nachfolger Horst Fuhrmanns als Präsident der MGH wurde, wählte er Johannes Fried zu seinem Mitherausgeber beim Deutschen Archiv für Erforschung des Mittelalters und begründete dies im Gespräch mit der Redaktion damit, dass Fried andere Interessen und einen anderen Blick auf das Mittelalter habe als er selbst, was für eine Zeitschrift nur von Vorteil sein könne. In großer Harmonie und Respekt vor der Sichtweise des anderen gaben beide 18 Jahre lang das Deutsche Archiv zusammen heraus, wie ich in den ersten sechs Jahren als verantwortliche Redakteurin miterleben konnte.
Die auf Anregung von Prof. Benjamin Kedar in Jerusalem im Jahr 2000 neu gegründete Reihe der MGH „Hebräische Texte aus dem mittelalterlichen Deutschland“, die zusammen mit der Israelischen Akademie der Wissenschaften herausgegeben wird, wurde von Johannes Fried besonders nachdrücklich befürwortet.
Im Jahr 2021 gab Johannes Fried seine Zustimmung zur Übernahme der digitalen Briefausgabe des jüdischen Gelehrten Ernst Kantorowicz (1895-1963) durch die MGH, die er im Jahr 2000 zusammen mit Ulrich Raulff und Ernst Osterkamp begonnen hatte – auch seine Beschäftigung mit dem einstigen Frankfurter Lehrstuhlinhaber Kantorowicz, die er mit Horst Fuhrmann teilte, zeigt sein breites Interessensspektrum. Bei dieser Übergabe an die MGH war ihm wichtig, dass der Anteil seiner damaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Frankfurter Universität anerkannt und gewürdigt wurde. Denn auch das zeichnete Johannes Fried aus, dass er in der Zentraldirektion – was damals wirklich keine Selbstverständlichkeit war – von Anfang an zu den Mitgliedern gehörte, die junge Kolleginnen und Kollegen ernst nahmen, ihre Arbeit zu schätzen wussten und ihnen auf Augenhöhe begegneten. Johannes Fried hatte Humor, vertrat im persönlichen Gespräch leidenschaftlich seine Thesen und war immer gleich mitten in der Diskussion über Quellen, die Rätsel aufgaben.
Die Monumenta Germaniae Historica werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.
Martina Hartmann