Stiftungen für die MGH
Zur Unterstützung der mediävistischen Grundlagenforschung der Monumenta Germaniae Historica können Stiftungen eingerichtet werden. Dankbar erinnern die MGH an Stifter, die durch ihre Großzügigkeit außerplanmäßige Forschungsprojekte möglich machten und machen.
Winterer-Stiftung
Dr. Herrmann Winterer. © MGHHermann Winterer (* 18. September 1890 in München; † 16. August 1980 in Bad Aibling), der aus einer wohlhabenden Münchner Familie stammte, wurde 1915 an der Universität Freiburg im Breisgau promoviert mit einer staatsrechtlichen Arbeit: „Ägypten. Seine staats- und völkerrechtliche Stellung zu England, den Mächten und der Türkei“. Bis zu seiner Pensionierung war Winterer als Oberregierungsrat in der Finanzverwaltung tätig. Im Ruhestand arbeitete Hermann Winterer „jahraus jahrein mit der Präzision eines pflichtbewussten Beamten tagtäglich“ im Lesesaal der MGH; so berichtet vom damaligen MGH-Präsidenten Horst Fuhrmann, der Winterer gut kannte und von dessen großer Bildung beeindruckt war. Hermann Winterer beschäftigte sich mit der rechtlichen Entwicklung der Stellung unehelicher Kinder im frühmittelalterlichen Spanien und Italien und veröffentlichte im hohen Alter zwei Aufsätze in der renommierten Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte (1966, 1970) und zwei Monographien (1978, 1981); letztere wurde postum aus dem Nachlass herausgegeben.
In welch überaus großzügiger Art und Weise Hermann Winter sein Versprechen einlöste, die MGH in seinem Testament zu bedenken, stellte sich erst nach seinem Tod heraus. Er hatte bereits 1969 verfügt, dass mit fast seinem gesamten Vermögen, in das auch das Erbe seiner im Jahr zuvor verstorbenen kinderlosen Schwester Helene Müller († 3. August 1979) eingeflossen war, eine rechtsfähige Stiftung zur Förderung der MGH gegründet werden sollte. Mit den Erträgen der Winterer-Stiftung wird seit 40 Jahren die Editionsarbeit der MGH gefördert.
Arno-Borst-Stiftung zur Förderung der mediävistischen Geschichtswissenschaften
Prof. Dr. Arno Borst. Foto: MGHDer wegweisende Mediävist Arno Borst (* 8. Mai 1925 in Alzenau; † 24. April 2007 in Konstanz) wurde 1983 in die Zentraldirektion der MGH gewählt und schied 1996 auf eigenen Wunsch aus, um sich intensiver seinen Forschungen widmen zu können. Bereits 1953 erschien Borsts Dissertation „Die Katharer“ als Band 12 der Schriften der MGH. Seine grundlegenden Studien zur Komputistik und karolingischen Kalenderreform veröffentlichte er in Band 36 der „Studien und Texte“. 2001 legte Arno Borst die große, fast 2000 Seiten im Quartformat umfassende Edition des karolingischen Reichskalenders vor (MGH Libri memoriales 2). 2006 edierte er frühmittelalterliche Schriften zur Komputistik in Band 21 der „Quellen zur Geistesgeschichte des Mittelalters“.
1996 wurde Arno Borst für seine Forschungen über die Kultur des Mittelalters mit dem renommierten Balzan Preis für Geschichte ausgezeichnet. „Seit fünfzig Jahren untersuche ich die Geschichte des Mittelalters, seit fünfundzwanzig Jahren die Lebensformen seiner Menschen, seit zehn Jahren ihre Lebenszeiten. Heute zeichnet die Balzan-Stiftung meine persönlichen Beiträge zu dieser allgemeinen Arbeit so festlich aus, dass der 19. November für den Rest meines Lebens ein wahrhaft denkwürdiger Tag bleibt. Damit diese Erinnerung mich überlebe, überweise ich den Großteil des Preisgelds an eine Stiftung, in der meine Arbeit fortgesetzt wird“, kündigte der Preisträger in seiner Dankesrede an.
Arno Borst hatte den Vorsitz der Stiftung, die er durch Zustiftungen weiter vergrößerte, bis zu seinem Tod 2007 inne. Die Erträge seiner Stiftung unterstützen die Forschungsarbeit der MGH.
Ulrich D. Oppitz: Arno Borst. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon 43 (2021) Sp. 245-265. (Artikel in BBKL digital)
Stiftung für Handschriftenforschung
Prof. Dr. Hartmut Hoffmann. Foto: MGHHartmut Hoffmann (* 4. Mai 1930 in Berlin; † 16. April 2016 in Göttingen), bedeutender Paläograph und Handschriftenforscher, war den MGH viele Jahre lang eng verbunden: als Editor und Autor von Monographien mit insgesamt 10 Titeln in MGH-Reihen sowie zahlreichen Aufsätzen im Deutschen Archiv und ab 1982 als Zentraldirektor der MGH. Bereits 1989 vermachte Hoffmann den MGH seine umfangreiche Sammlung von rund 15.000 Fotos hochmittelalterlicher Handschriften, die er auf seinen Forschungsreisen zusammengetragen hatte.
Zum Erhalt seiner Fotosammlung und zur Förderung von Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der mediävistischen Geschichtswissenschaft gründete Hartmut Hoffmann die unselbständige und bei den MGH angesiedelte „Stiftung für Handschriftenforschung“. Dank der großzügigen Zustiftungen von Hoffmann und von Prof. Dr. Howard B. Kaminsky / Miami (1924-2014), seit 2009 korrespondierendes Mitglied der MGH, sowie testamentarisch verfügten Zuwendungen kann die Stiftung von Hartmut Hoffmann außerplanmäßige Forschungsarbeiten der MGH unterstützen.
Menzel-Stiftung
Prof. Dr. Michael Menzel. Foto: VojinovicMichael Menzel (* 28.12.1956 in Büren-Ahden), langjähriger Arbeitsstellenleiter der MGH-Constitutiones bei der Berlin-Brandenburgischen Akademie und seit 2012 persönliches Mitglied der Zentraldirektion, richtete im September 2024 zusammen mit seiner Ehefrau Elisabeth (* 21.10.1955 in Dörnick) die Menzel-Stiftung zugunsten der MGH ein. Die Motivation zu der Stiftung ist die Förderung der historischen mediävistischen Grundlagenforschung, die bei den MGH identisch mit Quelleneditionen ist. Eigene Editionen seit Ende der 1980er Jahre, die Mitarbeit bei den Regesta Imperii und die Übernahme der Projektleitung bei den Constitutiones seit 2003 waren ausschlaggebend für die Einrichtung der Stiftung. Menzels langjährige Verbundenheit mit den MGH besteht bereits seit den 1990er Jahren, als er die Bibliothek „dieser über 200-jährigen Institution mit so großer Tradition“ – so Michael Menzel – nutzte.
Die Stiftung ist nicht an die Förderung spezieller Forschungsrichtungen, Projekte oder MGH-Abteilungen gebunden. In Absprache mit dem Präsidium fügt sie sich in die bisherigen MGH-Stiftungen so ein, dass sie der Präsidentin / dem Präsidenten ohne vorgegebene Zweckbindung als Ergänzung der staatlichen Ausstattung der MGH nach Bedarf zur Verfügung steht, damit über die Verwendung der Gelder ad hoc entschieden werden kann, um auf besondere Situationen wie etwa kurzfristige Einstellungen für ein Projekt oder zu schließende krankheitsbedingte Lücken rasch reagieren zu können. In der Stiftungssatzung werden daher keine Vorgaben gemacht, entscheidendes Ziel ist der Beitrag zur Erfüllung der Zwecke der MGH, wie sie in deren Satzung stehen.
Die Stiftung ist errichtet, hat aber noch nicht die volle Ausstattung, die testamentarisch erfolgen wird.